NEIN, ES GEHT MIR NICHT GUT | DARF ICH DAS SO SAGEN?

Die letzten Wochen und Monate waren wirklich schwierig. Es wäre gelogen würde ich etwas anderes behaupten. Doch darf man überhaupt darüber reden, wenn es einem nicht gut geht? Zwischen all diesen positiven Friede Freude Eierkuchen Influencern hab ich oftmals das Gefühl, dass negatives gar verboten ist. Egal ob von Influencern oder Normalos. Doch wenn wir mal ehrlich sind befinden wir uns alle mal in einer schwierigen Lebensphase. Oder nicht? Manchmal passieren Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Manchmal, so hat meine Oma immer gesagt, kommt das Leben dazwischen. Und genau so war es bei mir. Letztes Jahr im Sommer habe ich eine gravierende Entscheidung getroffen und meinen gewohnten, aber alles andere als geliebten, Job im Einzelhandel nach 4 Jahren gekündigt um wieder in den Sozialen Bereich zu wechseln, wo ich mich 100% wohl fühle. Das war für mich ein wirklich großer und schwieriger Schritt, aber es war der richtige. Nachdem ich die ersten Monate im neuen Job sehr mit der Veränderung zu kämpfen hatte ging es mir zum Ende des Jahres hin immer besser und ich habe mich immer wohler und endlich angekommen im neuen Job gefühlt.

Voller Euphorie, Tatendrang, Zufriedenheit, Glück und Plänen bin ich ins Jahr 2019 gestartet und es hätte so wundervoll werden können. Die Grundlage war da, die Pläne waren geschmiedet, meiner Psyche ging es super, an meinem körperlichen Wohlbefinden habe ich ebenso gearbeitet und es hätte ein wirklich grandioses Jahr werden können, hätte ich im März nicht überraschend operiert werden müssen. 

Warum, wieso, weshalb spielt an dieser Stelle keine Rolle, Fakt ist, dass mich das total aus der Bahn geworfen hat. Nicht nur die Tatsache, dass ich sowieso panische Angst vor Krankenhäusern habe, dass das meine erste OP und allgemein mein 1. stationärer Krankenhausaufenthalt war und ich demnach tausend Tode gestorben bin, oh nein, das war noch nicht genug. Zu allem Übel habe ich eine OP über mich ergehen lassen müssen, bei der ich wusste, dass der Heilprozess 6-8 Wochen dauern kann, da es eine offene Wunde ist, welche von alleine heilen muss. Heute, 3 Monate nach meiner OP, kämpfe ich immer noch mit besagter Wunde und ihr glaubt nicht wie unglaublich nervenaufreibend, anstrengend und um es mal ehrlich zu sagen: absolut beschissen und belastend das ist.  

Ich musste nach der OP wochenlang zuhause bleiben, durfte nicht arbeiten – obwohl ich meinen neuen Job doch so liebe – konnte nichts wirkliches sinnvolles tun, da die Wunde sich an einer äußerst bescheidenen Stelle befindet, welche automatisch immer in Bewegung ist, sobald man selber in Bewegung ist. Aber damit die Wunde kleiner wird und heilt muss ich viel liegen, soll mich wenig bewegen. ‚Super, wochenlang zuhause auf der Couch chillen, lesen, Netflix suchten, Filme schauen, nichts tun – ist doch klasse!‘ diesen Spruch kann ich wirklich nicht mehr hören, mir kommt es direkt aus der tiefsten Tiefe meines Magens hoch, wenn ich das höre, weil es so furchtbar ist, wenn man Dinge sagt und gar nicht weiß wovon man da redet. Es ist so, so, SO ein riesen großer Unterschied, wenn man Zuhause sein KANN und wenn man Zuhause sein MUSS. Ich hatte in den letzten Wochen so viele Up’s and Down’s, dass ich aktuell ehrlich gesagt kaum mehr weiß wo mir eigentlich der Kopf steht. 

Die ersten Wochen waren wirklich hart, ich hatte ständig körperliche Schmerzen und mit meinem psychischen Wohlbefinden zu kämpfen. Mich von allem und jedem zurück ziehen und einfach nur in Selbstmitleid baden war wahrlich nicht die sinnvollste Idee, aber manchmal braucht man das einfach, oder? Doch natürlich konnte es so nicht weitergehen, schlimm genug, dass das ganze über mehrere Wochen ging. Einige Wochen nach der OP habe ich mich dann endlich wieder gefangen und zusammen gerissen. – Arbeiten durfte ich immer noch nicht und sonderlich viel im Haushalt machen sollte ich auch nicht, weil die Wunde einfach noch zu groß war. Doch denken, grübeln und Pläne schmieden, das geht auch im liegen. So kam es, dass ich mir mehrere Tage, ja eigentlich Wochen, Zeit für mich genommen habe. Für mein seelisches Wohlbefinden. Zeit, die ich sonst nie hatte. Ich habe mir die Zeit genommen um über mich, mein Leben, meine Träume und Ziele, meine Wünsche und Pläne nachzudenken. Darüber nachzudenken was ich von der Zukunft erwarte, was ich von mir selber erwarte, was ich mir von meinem Umfeld wünsche. Ich habe mir explizit Zeit genommen und mich mit mir selber befasst und auseinander gesetzt – denn dafür schien es mir der perfekte Zeitpunkt, konnte ich ja sonst sowieso nicht viel machen und die Bücher und der Fernseher hingen mir zu diesem Zeitpunkt wahrlich aus den Ohren raus. So kam es, dass ich Schritt für Schritt den Weg zu mir und meinem Seelenwohl gefunden habe und das ist so so wichtig. 

Nun habe ich endlich Frieden mit meinem Inneren und Äußeren Ich geschlossen und sehe die Welt wahrlich mit anderen Augen. Es verändert so viel in einem, wenn man an diesem Punkt angekommen ist. So könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass ich mittlerweile die kleinsten Kleinigkeiten so intensiv und ausgiebig genieße. Sei es im T-Shirt oder Top am Main spazieren gehen, in der Sonne liegen, vor einem Café sitzen und einen Milchshake trinken, wandern gehen, bewusst Sport machen, Tattoos stechen zu lassen, welche ich mir seit Jahren gewünscht habe. Wenn man endlich anfängt das Leben zu leben, dann ist es so so schön. Und wenn du das gerade erst für dich entdeckt hast und gerade damit anfängst und es dir dann mir nichts dir nichts von heute auf morgen genommen wird, das ist so unfair. 

Danach ging es langsam bergauf, ich habe angefangen Kleinigkeiten im Haushalt wieder in Angriff zu nehmen, Schränke und Schubladen auszusortieren, etc. aber alles eben Step für Step, schnell und viel ging sowieso gar nicht. So kam es, dass es mir irgendwann seelisch wieder richtig gut ging und ich körperlich auch grünes Licht bekommen habe. Die Wunde war zwar noch nicht 100% verheilt, sollte sie aber binnen der nächsten Tage, so der ärztliche Plan. Ich also voller Euphorie, Vorfreude und Enthusiasmus wieder arbeiten gegangen, was genau eine ganze Woche funktioniert hat und dann kam natürlich was scheinbar kommen musste – die Wunde riss böse ein. Und das ganz schön fies. Ich also total verrotzt und verheult zum Arzt – meine Angst nochmal operiert werden zu müssen war enorm – mein Hausarzt gab Gott sei Dank Entwarnung was die 2. OP betraf, aber natürlich – und das fand ich wohl mindestens genauso beschissen – bekam ich wieder Arbeitsverbot, eine weitere Krankmeldung und diesmal sogar die Aufforderung mich die nächsten Tage intensiv auszuruhen, da sonst die Gefahr bestehe, dass die Wunde noch tiefer einreißt. Wunderbar. Ich mich also voller schlechtem Gewissen wieder tagelang zuhause auf der Couch geräkelt, bis mir dann wirklich die Hutschnur geplatzt ist. Mein Geduldsfaden ist einfach am Ende. Ich konnte nicht mehr. Ich konnte nicht mehr rumliegen und nichts tun. Löcher in die Luft starren, Bücher lesen, Fernsehen gucken, während draußen das schönste Wetter herrschte, ich so viele Urlaubs- und Reiseziele, so viele Tages- und Wochenendpläne geschmiedet hatte. Alles geplatzt. Alles musste storniert, abgesagt, verschoben und geändert werden und ihr glaubt gar nicht wie wahnsinnig anstrengend das nervlich war und ist. Vor allem für mich. 

Mein Fernweh ist mittlerweile ins Unermessliche gewachsen, weil ich meinen Thailand Urlaub absagen und wir unseren Luxemburg Trip zum 2. Mal verschieben mussten, und wir unseren Sommerurlaub am Edersee auch streichen mussten und ich befürchte, wenn diese Wunde nicht endlich zuheilt und ich endlich wieder effektiv am Leben teilnehmen kann, verliere ich wirklich meinen Kopf. 

Es ist einfach zum kotzen, wenn man nichts lange – oder überhaupt nicht – machen darf/kann. Nicht sitzen, nicht lange spazieren, baden unmöglich, Fahrrad fahren unmöglich, nicht im See baden, nicht sonnen, bestenfalls nicht schwitzen, nicht stundenlang im Café sitzen und quatschen, nicht durch die Stadt bummeln, nicht wandern gehen, nicht in den Urlaub fahren, nicht das Leben genießen. Ob das Leben manchmal unfair ist? Definitiv. Ob ich trotzdem versuche positiv zu bleiben? Die Betonung liegt auf Versuche. Natürlich hat jeder Mensch sein Päckchen zu tragen und es gibt definitiv genug Menschen die ein noch schlimmeres Los gezogen haben, doch manchmal muss man seinem Kummer auch einfach Raum geben und sich einiges von der Seele reden. Mir hilft das immer enorm. 

Jede Situation hat ihre Vor- und Nachteile und durch negatives Denken, rum jammern und rum meckern wird es schließlich auch nicht besser, deswegen versuche ich wirklich, wirklich, positiv zu denken, nach vorne zu schauen und auf bessere Zeiten zu hoffen & zu warten, aber das fällt mir nach monatelanger Warterei, Geduld und Rumliegerei einfach nur noch schwer. Ich hätte gerne mein neu entdecktes Leben zurück, danke. 

4 Comments

  • Solche Zeiten sind so hart! Mir geht es jetzt wieder gut, aber ich war selbst sogar sehr lange krank und ich kann all deine beschriebenen Gefühle daher so sehr nachvollziehen. Und mal davon abgesehen: wer mag schon Krankenhäuser? So was wirft einen auch einfach aus der Bahn…
    Ich hoffe es geht bald wieder ernsthaft bergauf für dich! Bis dahin hilft leider wirklich nur zu versuchen, dich nicht zu sehr mit negativen Gedanken zu umgeben. Aber das ist halt gerade in so einer Situation auch wesentlich leichter gesagt als getan (weiß ich selbst… aber leider stimmte es tatsächlich, dass die Negativität mich nur noch mehr runtergezogen hat).

    • Liebe Christine,
      ich danke dir für deine lieben und aufmunternden Worte.
      Und du hast natürlich vollkommen recht, Negativität hilft einem
      langfristig gesehen nie weiter! Meine Mama ist auch immer fest davon
      überzeugt, dass der Körper schneller wieder gesund wird, wenn man
      positiv denkt. Da hat sie vielleicht gar nicht so unrecht.

      Liebe Grüße <3

  • Liebe Alina,

    ein wirklich schöner Post. Zunächst freue ich mich natürlich sehr, dass du endlich endlich zu dir gefunden hast, auch wenn man dir in den letzten Wochen und Monaten ziemlich viele Steine in den Weg gelegt hat. Aber ich bin mir sicher, du gehst nur noch stärker aus der Situation heraus. Selbst schlechte Dinge haben irgendwo auch ihre guten Seiten.

    Ich wünsche dir jedenfalls, dass es dir ganz schnell wieder besser geht, die Wunde zügig verheilt und du dann endlich da wieder weiter machen kannst, wo du aufgehört hast <3

    Ich finde es jedenfalls schön, dass du so einen persönlichen Beitrag geschrieben hast. Wie du selbst schon sagst, hat man manchmal das Gefühl, dass auf Instagram & Co. alles Friede Freude Eierkuchen ist. Natürlich ist es eine Art Rückzugsort, für viele auch ganz einfach ein Happy Place, dass man dann sämtlicher Negativität aus dem Weg gehen möchte, kann ich nachvollziehen. Aber ich finde es toll, wenn Menschen eben einfach authentisch und ehrlich sind und das warst du mit diesem Beitrag! Das ist meiner Meinung nach viel mehr Wert als das ständige Vorspielen falscher Tatsachen, nur weil es vielleicht besser ankommt, wenn man 24/7 gut gelaunt und happy ist. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ist das mit Sicherheit niemand – jeder hat Höhen und Tiefen und das ist vollkommen in Ordnung so.

    Ganz liebe Grüße
    Ivy

    • Liebe Ivy,

      ich danke dir für deine ehrlichen Worte <3

      Mir persönlich würde es auch sehr zusagen, wenn es mehr dieser persönlichen,
      ehrlichen, realen Beiträge im Internet geben würde. Denn mal ehrlich: Bei keinem Blogger
      oder Influencer ist jeden Tag alles Friede Freude Eierkuchen, auch wenn manche
      das einem vermitteln wollen..

      Liebe Grüße <3

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