DER FLUCH DER VERGESSLICHKEIT

Viele sind davon betroffen, leiden förmlich darunter. Vergesslichkeit. Ein Thema, das manche auf die leichte Schulter nehmen. Ein Thema, das manchen Kopfzerbrechen verursacht. Und das regelmäßig. Immer wieder. Immer öfters. Viele außenstehende, die eben nicht betroffen sind, haben oft gewisse Vorurteile, was das Thema Vergesslichkeit betrifft. a la andere Dinge wären der Person nicht wichtig genug, weswegen man sie vergisst. Man würde nur an sich denken und nicht an andere – Egoist, deswegen vergisst man ständig was. Die Prioritäten liegen anders, aufgrund dessen werden Termine, Gespräche, etc. oft vergessen. Aber lasst euch eines gesagt sein ihr Lieben: In den meisten Fällen spielt nichts davon eine Rolle. Weder die Tatsache, das man egoistisch wäre, noch das andere nicht wichtig genug wären oder keinen hohen Stellenwert für einen selbst hätten. All das spielt oftmals keine Rolle. Vergesslichkeit ist für viele ein belächelndes Thema, nichts ernst zu nehmendes. Ist halt so, sagen viele. Muss man sich halt mit abfinden, denken die meisten. Doch ist das wirklich so? 

Nein, ist meine Meinung. Ich weiß wovon ich rede, denn ich bin selber davon betroffen. Ich vergesse ständig alles. Angefangen bei Kleinigkeiten wie den Schlüssel auf die Schlüsselablage legen, bis hin zu die Wäsche in der Waschmaschine über Geburtstage, Termine und vieles mehr. Warum das so ist war mir eine lange Zeit ein Rätsel. Tatsächlich dachte ich irgendwann ich würde unter frühzeitiger Demenz leiden, weil ich es mir einfach nicht anders erklären konnte. Heute bin ich schlauer. Heute weiß ich es besser. Nachdem ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe, weiß ich heute, das Stress, innere Unruhe, Unzufriedenheit und Überforderung oftmals die Hauptursache des vergesslich sein sind. 

Bei mir persönlich macht das tatsächlich sogar Sinn. Denn seit ich meinen Job gewechselt habe, meine berufliche Laufbahn sich langsam in die richtige Richtung bewegt, unser Hund sich aus dem Welpen Alter in das Junghunde Alter entwickelt und ich einige andere Dinge, die mir psychisch sehr belastet haben, aufarbeiten und lösen konnte, ist es mit der Vergesslichkeit so viel besser geworden. Wirklich! Natürlich kämpfe ich immer noch täglich damit, aber von heute auf morgen hat sich das auch nicht erledigt, im Gegenteil. Ich bin allgemein ein großer Fan von Listen und Übersichten, eben damit ich vieles nicht vergesse und einfach schwarz auf weiß habe was ich noch machen wollte / muss / soll. Aber natürlich ist der Sinn des Lebens, meiner Betrachtung nach, nicht, dass man alles und jeden auf Papier bringen muss, damit man es nicht vergisst. Schließlich bin ich 23 und keine 150. Mittlerweile habe ich gelernt, das eine gesunde Selbstwahrnehmung, ein gesundes Selbstbild, wenig Stress, innere Zufriedenheit und ein ausgeglichenes Selbst einen großen Schritt dazu beitragen. Mein Kopf war oftmals einfach viel zu voll mit hunderten von Gedanken, Dingen die ich noch machen muss, Dingen an denen ich zweifel, Gedanken die mir oft den Schlaf und alles andere geraubt haben. Weil mein Fokus oft auf anderen Dingen lag, über die ich mir den Kopf zerbrochen habe, weswegen ich die wirklich wichtigen Angelegenheiten oftmals einfach vergessen, quasi überspielt habe. Weil mein Kopf so voll mit anderem war. Im nachhinein betrachtet mit unwichtigerem definitiv. Aber in diesen Situationen war es für einen selbst eben doch wichtig, für die Seele war es wichtig. Für die innere Verarbeitung und Aufarbeitung bestimmter Anliegen. 

Heute weiß ich es besser. Heute versuche ich nicht mehr auf biegen und brechen komm raus 100 Dinge an einem Tag zu erledigen, gleichzeitig Sport zu machen, mich gesund zu ernähren und so zu werden, wie ich werden will. Heute weiß ich, das es vollkommen in Ordnung ist so zu sein, wie man ist. Aber das ist ein anderes Thema. Was mir im Thema Vergesslichkeit am meisten geholfen hat war tatsächlich der innere Frieden. Die innere Gelassenheit. Nicht alles auf einmal machen wollen. Step für Step. Jeden Tag ein bisschen und den Rest am nächsten Tag. Weniger Stress, mehr Zeit für sich selber. Sich regelmäßig Auszeiten, in welcher Form auch immer, gönnen. Um dem Alltag entfliehen zu können, aber auch um den Alltag, das Erlebte verarbeiten zu können. Denn das passiert oftmals im Schlaf, was auch wichtig ist, aber mein Kopf war abends oft so voller unverarbeiteter Eindrücke, dass ich oftmals gar keinen Schlaf gefunden habe. 

Das erlebte vorab verarbeiten, vor dem Schlafen gehen, das hilft mir heute sehr. Ich reflektiere abends oder nachmittags mittlerweile regelmäßig das tagsüber erlebte. Sowohl die negativen, als auch – ganz wichtig!- die positiven Dinge. Das dauert mal 15 Minuten, mal 30, mal mehr. Je nachdem wie ereignisreich der Tag natürlich wahr. Hierbei ist es ganz wichtig die positiven Dinge nicht zu vergessen. Auch wenn es von diesen vielleicht nicht so viele gab, trotzdem immer vor Augen halten, denn das ist für die eigene Psyche ganz wichtig. Nicht immer nur an alles schlechte denken, auch positives zulassen. Und so fahre ich mittlerweile ganz gut und schaffe es die wirklich wichtigen Dinge nicht zu vergessen, den Stellenwert dieser wichtigen Anliegen konsequent aufrecht zu erhalten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Und ihr glaubt gar nicht wie gut sich das anfühlt. 

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